KONGRESSZENTRUM VILNIUS
Gebaute Landschaft
Ort: Vilnius, Litauen
Auslobung: Vilniaus Vystymo Kompenija
(Vilnius development company)
Wettbewerb: Offener int. Realisierungswettbewerb
Jahr: 2026
Fläche: 42.693 m²
Architektur: WXCA, Warschau
Team:
WXCA: Szczepan Wroński, Anna Dobek-Lenczewska, Michał Sokołowski, Andrzej Bulanda, Michał Czerwiński, Mateusz Sokołowski, Małgorzata Bonowicz, Agnieszka Kabała, Dominik Zagajewski, Maciej Wewiór, Bogumiła Chewińska, Anna Ratkiewicz
CMC: Iza Malachowska-Coqui, Joerg Coqui, Immanuel Kasper, Emilian Kalkandzhiev, Luise Stüdemann
LÜCHINGER MEYER PARTNER AG: Flavio Wanninger, Borja Herraiz
Das Kongresszentrum Vilnius ist als öffentliche architektonische Landschaft konzipiert – als städtischer Raum, in dem Architektur, Natur und städtisches Leben verschmelzen und so ein offenes Umfeld für Begegnung, Austausch und Kreativität schaffen. Das Projekt stärkt die ökologische, soziale und wirtschaftliche Vitalität der Stadt und schafft zugleich einen lebendigen öffentlichen Treffpunkt am Ufer der Neris.
Das Gebäude bildet eine begehbare Topografie aus Terrassen, Rampen, Gärten und Dachlandschaften. Anstatt als geschlossenes architektonisches Objekt zu erscheinen, wird das Kongresszentrum zu einer Erweiterung der Uferpromenade und des öffentlichen Raums der Stadt. Diese architektonische Landschaft lädt Anwohner, Besucher und Kongressteilnehmer dazu ein, das Gelände zu erkunden, und schafft so eine dynamische Plattform für den städtischen Alltag und internationale Veranstaltungen.
Innerhalb der übergeordneten Stadtstruktur vervollständigt das Kongresszentrum das entstehende Geschäftsviertel entlang der nordwestlichen Biegung des Flusses Neris. Zusammen mit dem benachbarten Hotel und dem Seimas-Komplex bildet es eine klare städtebauliche Grenze und stärkt gleichzeitig die Verbindungen zwischen dem Flussufer, der Achse der Albert-Brücke und dem Zentrum von Vilnius.
AUSZUG AUS DER BEWERTUNG DER JURY
„Das Projekt zeichnet sich durch eine klare und schlüssige architektonische Idee aus – das Kongresszentrum wird als öffentliche architektonische Landschaft betrachtet, in der Gebäude, Dach, Terrassen und Grünflächen ein gemeinsames räumliches System bilden. Das Bestreben, landschaftsgestalterische und nachhaltige Lösungen zu integrieren, die Anbindung der Terrassenanlage an das Ufer der Neris, die Idee einer hybriden Konstruktion aus Holz und Beton sowie das Ziel, begrünte Dächer und Lösungen zur Regenwassernutzung einzubeziehen, werden positiv gewertet.“
„Das Landschaftskonzept gehört zu den stärksten Aspekten des Projekts. Es werden verschiedene Arten von Grünflächen, Ideen für Nass- und Trockenbereiche, Grundsätze der Biodiversität sowie pädagogische Aspekte des Klimawandels vorgestellt. Das Ziel, öffentliche Räume unterschiedlicher Größenordnung und mit unterschiedlichem Charakter zu schaffen sowie bei der Integration des Kais in andere Elemente der Küste Zurückhaltung zu üben, wird positiv gewertet.“
KLIMAPLATZ (ERDGESCHOSS)
Der Klimaplatz dient als Eingang zu den Zukunftsgärten. Regenwasser, das auf den leicht abgesenkten, gepflasterten Platz fällt, sowie überschüssiges Wasser von den Gründächern und Rampen speist den Retentions-Garten und bietet Schutz vor Überschwemmungen, insbesondere bei starken Regenfällen. Überschüssiges Wasser aus dem Retentions-Garten wird unter der Straße hindurch zum Fluss geleitet. Ein Baumdach und Nebeldüsen auf dem Platz bieten Schutz an heißen Tagen. Der Klimaplatz ist zudem mit Trinkbrunnen und Informationssäulen ausgestattet.
ZUKUNFTSGÄRTEN (1.–5. OG)
Die vier Zukunftsgärten widmen sich den Themen Klimaanpassung, Gesundheit und Ernährung, Kunst und neue Arbeitsformen sowie städtische Natur und Gesellschaft.
Die Bepflanzung reicht von weitläufigen Blütenwiesen mit einheimischen Pflanzenarten als Lebensraum für Bienen bis hin zu differenzierten, intensiven Vegetationsstrukturen zur Förderung der Artenvielfalt. Alle Pflanzen wachsen in Wassertrögen, die mit Regenwasser von den Dächern gespeist werden. Über alle Terrassen verteilt gibt es Orte und Nischen zum Verweilen, Sitzen, Treffen und Arbeiten.
An vielen Stellen sind Nebelanlagen installiert, die an heißen Tagen für Abkühlung sorgen.
GESUNDHEITS- UND ESSENS-TERRASSE (1. OG)
Ein vielschichtiger Erlebnisparcours mit Plattformen und integrierten Bänken bildet einen Bereich für regionale Lebensmittel und Workshops zu diesem Thema (Kochbereich, TV-Kochsendungen). Ein weiterer Teil der Terrasse ist einer Ausstellung über Litauens einheimische Pflanzen gewidmet.
TERRASSE FÜR KUNST UND NEUE ARBEITSFORMEN (2. OG)
Die “New Work Terrace” vereint neue Arbeitsformen und Kreativität in einem inspirierenden Raum für Geschäftstreffen im Freien, wo ein integrierter Bereich für Geschäftsgespräche den persönlichen Austausch und das Networking fördert. Hier finden wechselnde Kunstausstellungen und kreative Workshops statt, die neue Impulse und Inspiration für Innovationen in der Wirtschaft liefern.
STADT – NATUR – GESELLSCHAFTSTERRASSE (3. OG)
Diese Ebene ist in fünf verschiedene Bereiche unterteilt:
1. Großflächige, wasserrückhaltende begrünte Solardächer mit ausreichendem Fassungsvermögen für Starkregenereignisse.
2. Bereiche mit wechselnden Feuchtigkeitsgraden, die mit Grauwasser gespeist werden.
3. Der Wassergarten mit angrenzendem Flachwasserbereich zur Förderung der Artenvielfalt.
4. Multifunktionale Terrasse (Forum) für 500 Personen (mobile Bänke, Tribünen, mobiler Sonnenschutz für flexible Veranstaltungsnutzung, z. B. Sommerkino).
5. Die “Futurija”-Gärten umfassen fünf Innovationsausstellungsbereiche: Energiegarten (Mini-Windkraftanlage), Regengarten (Methoden zur Regenwasserrückhaltung und ‑nutzung), Sinnesgarten (Duftgarten, Raum für Entspannung und sanfte Bewegung), Ökologiegarten (seltene Pflanzenarten, Nisthilfen für Insekten), Nachhaltigkeitsgarten (Informationen zum Kongresszentrum als Vorzeigebeispiel für nachhaltige Architektur).
DER LAB-GARTEN (5. OG)
Der Bereich ist als Wissenschaftsgarten mit experimentellen Pflanzflächen und thematischen Forschungsbereichen gestaltet. Der Garten soll als Ort des Austauschs zwischen Forschung, Lehre und der Öffentlichkeit dienen. Vor Ort können Führungen und andere Informationsangebote angeboten werden.
KULTUR UND FREIZEIT
Entlang der Achse des Eingangs erstreckt sich eine terrassierte Landschaft, die Besucher dazu einlädt, zu verweilen, sich zu sonnen und Freunde zu treffen. Eine Holzplattform mit Sitzstufen direkt am Wasser bietet direkten Zugang zum Wasser. Eine temporäre schwimmende Plattform kann für Veranstaltungen genutzt werden.
Hinter der Terrassenlandschaft befindet sich eine Kunstvitrine mit einem Stehcafé und Toilettenanlagen. In den umliegenden Grünflächen entstehen weitere Bereiche für Kunstobjekte, um das Areal kulturell zu bereichern.
Überschüssiges Regenwasser aus dem Gebäude wird gefiltert und kontrolliert in den Fluss abgeleitet.
SPIEL UND SPORT
Der zentrale Grünstreifen, ein kühler Ort im Schatten der Bäume, ist für Spiel- und Sportaktivitäten konzipiert. Neben kleineren Bewegungselementen wurden auch spielerische
Elemente wie Weidenhütten, Holzhocker und Skulpturen sowie eine Rutsche integriert.
Der Spielbereich ist durch eine Sicherheitshecke vom Radweg getrennt. Zierhecken säumen die Wege, während mehrjährige Sträucher und eine vielfältige Bepflanzung aus großen Sträuchern und kleinen Bäumen in den angrenzenden Bereichen für eine blühende Vielfalt sorgen.
NATUR UND RUHIGE ERHOLUNG
Natur, Besinnlichkeit und friedliche Entspannung stehen am Flussufer im Mittelpunkt.
Landschaftlich gestaltete Trockenblumenwiesen und einheimische Pflanzenarten fördern die Artenvielfalt. Breite Streifen mit wasserreinigenden Gräsern sind entlang des Uferrandes angepflanzt und schaffen ein naturnahes Ökosystem. Direkt dahinter befinden sich flache, ruhige Uferbereiche, die Lebensraum für eine vielfältige Flora und Fauna im Wasser sowie für natürliche Lebensgemeinschaften bieten. Eine schwimmende Schilfinsel fördert zudem die Artenvielfalt und schafft geschützte Rückzugsorte.
Eine in die Graszone eingebettete Holzplattform bietet Enten einen sicheren Ausstieg aus dem Wasser